SG Wohlen-Mutschellen, Männer 1. Liga: Saisonvorschau
Gross und ein bisschen grösser
Die 1. Liga geht los. Die beiden Freiämter Teams starten mit unterschiedlichen Zielen – und zwei Trainern, die nicht nur in Sachen Körpergrösse ganz vorne dabei sind. Das Treffen von Alex Milosevic und Björn Navarin verläuft freundschaftlich. Und man hilft sich auch gegenseitig.
(Stefan Sprenger, Sportredaktor BBA/WA) Offiziell sind beide 1,93 m gross. «Ich bin über die Jahre sicherlich kleiner geworden», sagt der 60-jährige Andjelko «Alex» Milosevic. Björn Navarin – zehn Jahre jünger – muss lachen. «Das kommt bei mir noch.» Somit ist der Muri-Trainer ein bisschen grösser als der Coach der SG Wohlen Mutschellen. Das passt auch zu den Kräfteverhältnissen vor der 1.-Liga-Saison, die am Wochenende losgeht. Denn Muri gehört zu den Favoriten, schaffte es in der letzten Spielzeit beinahe in die NLB-Aufstiegsspiele. Wohlen Mutschellen hingehen ist als Aufsteiger oftmals der Aussenseiter. Das sehen auch die Trainer so. «Muri gehört zu den Topteams», sagt Milosevic. Navarin nickt und meint: «Die SG Wohlen Mutschellen ist aber auch stark. Sie werden mit der Euphorie des Aufstiegs und mit ihrer Qualität nichts mit dem Abstieg zu tun haben.» Und jetzt nickt Milosevic. «Die Verhältnisse sind aber klar: Muri ist die Nummer 1 im Freiamt. Jetzt.»
Die grossen Karrieren
Man spürt: Die beiden Trainer der Freiämter 1.-Liga-Teams haben grossen Respekt voreinander. Milosevic sagt: «Navarin war als Spieler gefürchtet und als Mensch sehr geschätzt. Er ist ein super Trainer.» Das Kompliment kommt zurück: «Überall, wo ich Milosevic begegnet bin, gab es intensive Duelle. Seine Handschrift ist immer erkennbar. Und die Erfolge, die er feierte, sind sehr gross», sagt Navarin.
Beide waren sie Profis. Beide hatten grosse Karrieren. Milosevic wurde 1987 mit Jugoslawien Junioren-Weltmeister, spielte in seiner Heimat Bosnien, in Spanien und der Schweiz. Als Trainer ging sein starker Weg weiter, beim BSV Bern in der Nationalliga A, bei der U20-Nati der Frauen in der Schweiz – und weiteren Teams in der NLA und NLB. 2023 wurde er zudem Trainer des Jahres. Navarin spielte in der deutschen Bundesliga, ehe er in der Schweiz seine Karriere auslaufen liess und ebenfalls Trainer wurde (in Baden).
Das Handballerleben hat sie beide ins Freiamt gespült. Milosevic ist schon seit einigen Jahren hier aktiv, erst auf dem Mutschellen, seit letzter Saison bei der SG Wohlen Mutschellen. Navarin geht in die zweite Saison als Muri-Trainer. «Es macht riesig Spass in Muri. Dieser Verein, diese Euphorie, der Wille, einfach stark.»
Muri und der Aufstieg
Wohin soll der Weg in der Bachmattenhalle gehen? «Wir haben keinen Druck vom Verein. Nach dem Erfolg in der letzten Saison wollen wir das natürlich wiederholen. Mindestens. Wir arbeiten hart dafür.» Träumt Muri also von der Nationalliga B? «Ein Aufstieg ist kein Muss, aber es wäre alles da beim Verein und im Dorf, damit das klappen würde.»
Die Zielsetzung bei der SG Wohlen Mutschellen ist im ersten Jahr nach dem Aufstieg natürlich kleiner. «Wir wollen uns etablieren. Schritt für Schritt nach vorne. Wir haben nach wie vor viele junge Spieler, die lernen müssen. Aber das höhere Niveau der 1. Liga wird automatisch dafür sorgen, dass sie vorankommen.» Bei beiden Teams gab es nur geringfügige Kadermutationen (siehe Texte unten).
Beide wollten denselben Spieler
Spannend: Francesco Biffiger, ein Linkshänder im Rückraum, stand bei beiden Teams auf dem Wunschzettel. Er entschied sich für Wohlen Mutschellen (wohl auch, weil seine Frau eine Wohlerin ist). «Den hätten wir gerne gehabt», sagt Navarin. «Das glaube ich gerne», so Milosevic.
Die Gegner der Freiämter heissen Altdorf, GC Amicitia Zürich, Ehrendingen, Brugg, Olten, Muotathal, Suhr Aarau II, Kriens-Emmen, Frick und Willisau. Zwei gehen in die Aufstiegsrunde, zwei in die Abstiegsrunde. «Eine gefährliche Gruppe», sagt Navarin. «Eine obergeile Gruppe», meint Milosevic. Beide meinen dasselbe: Es sind viele starke Teams vorhanden, mit Erfahrung, mit Qualität. Und es wird hart. «Wenn wir wieder vorne dabei sein wollen, müssen wir konstant spielen und können keine Punkte liegen lassen», sagt Navarin.
Die Hilfe und die Derbys
Die Trainer tauschen dann untereinander Informationen zu den Gegnern aus. Und helfen sich so gegenseitig. So erzählt Milosevic, was er von GC Amicitia Zürich aus der Gerüchteküche hörte. Die Murianer starten am Samstag (18 Uhr) auswärts gegen die Zürcher. Und Navarin erzählt, was er von Ehrendingen weiss. Die SG Wohlen Mutschellen startet am Sonntag (19 Uhr) auswärts gegen die Ehrendinger.
Und bei beiden kribbelt es jetzt schon, wenn sie an den 15. November denken. Um 16 Uhr steigt in Muri das erste Freiämter Derby seit Jahren. «Muri ist Favorit», so Milosevic. Navarin lacht: «Das Derby hat eigene Gesetze. Wir müssen aufpassen, denn die SG Wohlen Mutschellen muss sich ganz und gar nicht verstecken.» Nun soll die Saison endlich losgehen, denn die Vorfreude ist bei beiden Teams riesig.
Überraschender Transfer
Ehrendingen – SG Wohlen Mutschellen (So, 19 Uhr, Aue Baden)
«Der Aufstieg kam zum richtigen Zeitpunkt», sagt Trainer Alex Milosevic. Das Team könne in der starken 1.-Liga-Gruppe nun weitere Schritte nach vorne machen. «Wir haben mehr Breite, mehr Variabilität. Eine grosse Baustelle haben wir nicht», sagt Milosevic. Die Vorbereitung sei bestens verlaufen. Die Testspiele gegen Liga-Konkurrenten waren gut. «Das Team ist motiviert vor dem Start. Wir freuen uns, dass es endlich losgeht.» Die SG Wohlen Mutschellen startet am Sonntag gegen Ehrendingen. Nicht mehr dabei ist Goalietrainer Adi Lehner (der zu Baden-Endingen in die NLB wechselte). Neuer Torhütertrainer ist Renato Milosevic (Sohn des Trainers). Björn Staubli legt eine Pause ein (Militär/Reisen). Der junge Lian Passerini sieht seine Zukunft beim HSC Suhr Aarau. Mit dem Eigengewächs Timo Schneider und dem erfahrenen Francesco Biffiger kommen zwei Verstärkungen im Rückraum hinzu. Mit einem über 2 Meter grossen Slovaken (der neu in Wohlen arbeitet) gibt es einen überraschenden und starken Transfer.
