Matchvorschau: SG Wohlen Mutschellen vs. SG Möhlin Fricktal
Der Zauberlehrling
Aufstiegsspiele: Björn Staubli (SG Wohlen Mutschellen) vor dem Spiel des Jahres (Samstag, 20 Uhr, Hofmatten Wohlen)
Er ist das grösste Talent der SG Wohlen Mutschellen. Doch Björn Staubli wird nächste Saison eine Pause vom Handball einlegen. «Danach ist alles offen», meint der 19-Jährige aus Waltenschwil. Doch zuerst will er im Rückspiel gegen die SG Möhlin Fricktal den Aufstieg in die 1. Liga schaffen. Damit würde sich für ihn ein Kreis schliessen.
Stefan Sprenger, Wohler Anzeiger
Dieser Typ ist ein Phänomen. Überlegt, wuchtig und unheimlich talentiert auf dem Handballfeld. Daneben ist Björn Staubli für sein junges Alter schon auffällig reif und überlegt. Ein kleiner Rückblick: Im November 2023 sorgte er für eine der coolsten Freiämter Sportgeschichten des Jahres. In seinem ersten Spiel für Handball Wohlen in der 1. Liga ballert er den HC Mutschellen mit 10 Toren fast im Alleingang weg. Ein einzigartiges Debüt, und das als 17-Jähriger. Damals wird er in dieser Zeitung als «Zauberlehrling» bezeichnet.
Ein Moment, der viel verändert
Der Zauberlehrling ist eine Ballade von Johann Wolfgang von Goethe. In jenem Werk probiert der Zauberlehrling einen Zauberspruch seines Meisters aus. Anfänglich ist er stolz auf sein Können, doch bald merkt er, dass ihm die Situation zu viel wird – und er beendet den Zauber. Bei Björn Staubli gibt es Parallelen.
Denn jener Zauber des Handballsports ist bei ihm ein wenig verflogen. Der Waltenschwiler fiel schon seinem Lehrer Michael Winsauer – einst Profifussballer und heutiger Trainer des SC Kriens – durch seine sportlichen Fähigkeiten auf. Da trainierte er längst Handball in Wohlen. Staublis Talent bringt ihn in die Nachwuchsabteilung des HSC Suhr/Aarau. Der Traum einer grossen Karriere entwickelt sich. Während er in den Nachwuchsteams des NLA-Clubs Suhr/Aarau zu eher wenig Spielzeit kommt, holt er sich in der ersten Mannschaft seines Stammvereins Wohlen die nötige Spielpraxis – und auch die Freude. Er spielt parallel bei beiden Vereinen. Im August 2024 folgt eine einschneidende Verletzung.
An einem Vorbereitungsturnier in Tschechien reisst er sich das Kreuzband. «Eine dumme Bewegung und mein Leben hat sich stark verändert», blickt Staubli zurück.
Triathlon, Prüfungen, Grenadier, Australien
Operation statt Training. Physio statt Handball. Kein Teamgefüge, sondern eher einsame Stunden. Und viel Zeit, um nachzudenken – und neue Dinge kennenzulernen. Staubli, der am 5. Mai 20 Jahre alt wird, sagt: «Die Lust auf Handball hat abgenommen.» Im letzten Herbst gibt er dennoch sein Comeback. Er spielt in der 1. Liga beim HSC Suhr/Aarau. «Diese Übung habe ich schnell abgebrochen, das passte mir gar nicht mehr. Ich wollte bei der SG Wohlen Mutschellen spielen.» Hier findet er die Freude wieder. Aber: «Ich habe in meiner Verletzungszeit andere Dinge gefunden, die mir Spass machen», erklärt er. Er geht ins Fitness – und er hat den Triathlon-Sport für sich entdeckt. «Laufen. Schwimmen. Velofahren. Ich mag das sehr. In nahe Zukunft möchte ich einen Triathlon absolvieren.»
Er ist bei Weitem nicht das Einzige, was er in Zukunft vorhat. Staubli macht die Lehre beim Stromversorgungsunternehmen Eniwa in Buchs, Fachrichtung Geomatik. In diesem Sommer hat er Abschlussprüfungen und wird er seine Ausbildung abschliessen. Danach geht er direkt in die Rekrutenschule, ist bei den Grenadiers der Militärpolizei. Nach den Leistungstests kriegt er einen der begehrten Plätze. «Ich wollte eine körperliche und mentale Herausforderung. Ich wollte in der Militärzeit etwas machen, was mich persönlich weiterbringt», erklärt er seinen Entscheid. Im Frühling 2027 geht es in einen längeren Sprachaufenthalt nach Brisbane, Australien. Drei Monate Englisch lernen und fast zwei Monate herumreisen.
«Jetzt muss es klappen»
In der Saison 2026/27 wird er eine Pause vom Handballsport einlegen. «Ein Zwischenjahr», wie Staubli sagt. Und danach? «Ich lasse alles offen. Ich weiss jetzt noch nicht, was in über einem Jahr ist. Wir werden sehen.» Seine Eltern und seine ältere Schwester Céline Staubli (die in der NLB beim LK Zug spielt) «sind jedenfalls zuversichtlich, dass es für mich im Handball weitergeht», wie er lachend erzählt.
Momentan zählt nur eines: «Der Aufstieg in die 1. Liga», sagt Staubli. Er und das Team sind «voll motiviert». In der Meisterschaft ist das Team durchmarschiert. «Es war manchmal fast langweilig. Wir trainierten hart und haben praktisch jeden Gegner dominiert.» Er selbst konnte sein gutes Auge, seine starken Täuschungen und präzisen Würfe des Öfteren unter Beweis stellen. Gegen starke Gegner macht es aber natürlich viel mehr Spass. «Beim ersten Aufstiegsspiel gegen Möhlin am letzten Sonntag hat es wieder richtig Freude gemacht. Es geht um die Wurst, es kommen viele Zuschauer, es war ein geiles Spiel.
Jetzt ist die Vorfreude auf das Heimspiel riesig. Wir sind positiv angespannt. Wir wollen endlich aufsteigen. Jetzt muss es klappen», sagt Staubli.
Im Frühjahr 2024 war er dabei, als Wohlen aus der 1. Liga abstieg. Danach kam der Zusammenschluss mit dem HC Mutschellen. «Wenn wir jetzt aufsteigen, würde sich ein kleiner Kreis schliessen. Und ich kann mit gutem Gewissen in meine Handballpause.» Der Zauberlehrling will seine Kräfte im letzten (und wichtigsten Spiel) des Jahres nochmals allen zeigen.
